Die Typengeschichte
Als in den 60er Jahren die Vespa als günstiges Fortbewegungsmittel zunehmend vom Kleinwagen verdrängt wurde, entschied man sich in Pontedera, ein Fahrzeug mit 50ccm Hubraum zu entwickeln, das auch von Jugendlichen ab 14 Jahren gefahren werden konnte, um damit neue Käuferschichten zu erschließen.
Diese “kleine” Vespa hatte eine etwas andere Karosseriekonstruktion als die Vorgängermodelle. Die “Backen” der Motorverkleidung waren nunmehr fester Bestandteil des Rahmens, der dadurch sehr steif und zugleich leicht wurde. Der vom Aufbau komplett neu entwickelte Motor ließ sich durch eine Klappe in der rechten Seitenbacke mehr oder weniger gut erreichen, der Vergaser wanderte in den Rahmen. Über Jahrzehnte wurde diese Baureihe zum Inbegriff jugendlicher Freiheit und Unabhängigkeit. Ergänzt wurde sie um die hubraumstärkeren Sportmodelle und 125 ccm Modelle. Dieses überaus erfolgreiche Fahrzeugkonzept wurde über Jahrzehnte fortentwickelt und vom Prinzip bis in die 90er Jahre vertrieben.
Den Anfang macht 1963 die Vespa 50 N. Mit rundem Scheinwerfer, 9 Zoll Reifen und 3- Gangschaltung schafft sie 40 km/h mit einer Person. Später mit längerem Radstand und vergrößerter Motorklappe bis 1971 produziert.
Die Vespa 50 L ist die Luxus-Variante ab 1966 mit Metall/ Gummitrittleisten Alukantenschutz und Chromring an der Lampe.
Vespa 50 S heisst die Rundlicht-4-Gang-Version mit 10 Zoll Bereifung und 60 km/h für den Export, vor allem nach Deutschland.
Nur für den Export und auch nicht in Deutschland anzutreffen, die Vespa 90. Vom Motor mit 88,5 ccm abgesehen mit der Vespa 50 L identisch.
Die Vespa 50 SS und Vespa 90 SS (Super Sprint ) von 1965 – 1973 sind die seltenen und daher heute sehr gesuchten Sondermodelle mit vielen Details, die die sportliche Auslegung betonen: Höhere Leistung durch Sportauspuff, schmaleres Beinschild, Stummellenker, ein vor dem Fahrer stehendes Reserverad mit einem wie ein Tank geformten Gepäckfach darüber, verkürzte Sitzbank und 10 Zoll Reifen. “75 km/h mit einer Person”, so das damalige Werbeversprechen für die 50 SS. Von 1971 – 1974 entstand ausserdem die berühmte Sonderausführung “Gruppo Piloti Speciali” ohne Ersatzrad und Gepäckfach.
Vespa 50 R (nur in Italien) heisst ab 1969 die Fortführung der Vespa 50 N: Rundlicht-3-Gang-Version mit 40 km/h und Gummitrittleisten. Sie lief mit leichten Modifikationen bis 1983. Das “R” zur Unterscheidung von den nunmehr zeitgleich erhältlichen 50 Special.
Im Jahr 1965 präsentiert Piaggio die Vespa Nuova 125, der man zwei Jahre später den Namen Vespa 125 Primavera gibt. Der Rahmen ist identisch zur Vespa 50 L, hat jedoch ein Gepäckfach in der linken Seitenhaube. Der Lenker ist mitsamt Scheinwerfer etwas grösser und hat serienmässig einen Tacho, die Sitzbank ist für zwei Personen. Der entscheidende Unterschied ist jedoch der vergrösserte Hubraum, der auf 10 Zoll Reifen mit 4- Gang Schaltung eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h erreicht. Dieses Modell bleibt praktisch unverändert 15 Jahre im Programm, was seine Beliebtheit dokumentiert.
Die Vespa 50 Special (in Italien) oder Vespa 50 N Spezial (in Deutschland) ist die Vespa mit eckigem Lenker und Scheinwerfer sowie Kunststoff- Kaskade. Diese gibt es erst als 3-Gang-Modell mit 9 Zoll Bereifung, später als 10 Zoll 4-Gang-Ausführung, zuerst ohne Blinker, dann mit Lenkerblinkern, zuletzt mit der 4-fach-Blinkeranlage. Von 1969 – 1983 produziert ist sie die heute noch am häufigsten anzutreffende Variante der klassischen 50er Vespa.
Dieses Modell wurde auch erstmals mit einem elektrischen Anlasser versehen und als Vespa 50 Elestart in Umlauf gebracht. Ansonsten baugleich mit der Special unterscheidet sie sich neben dem Zündschloss im Lenker in der Klappe auf der linken Seitenhaube, unter der sich die Batterie befindet.
Vespa 50 SR (1975 – 1979) als Nachfolger der V 50 Super Sprint ist die noch seltenere Plastikkaskaden-aber-Rundlicht-Version für den deutschen Markt mit 4 Gängen und 72 km/h aus 50 ccm. Wahrscheinlich deshalb heute nicht so beliebt, weil sie einen optisch unauffälligen Rahmen hat.
1976 kommt die Vespa ET3 als sportliche Variante zur Primavera. ET3 steht für “Elettronica Travasi 3″ was soviel heisst, wie Elektronik, 3 Kanäle. Bezieht sich auf die elektronische Zündung und einen zusätzlichen Überströmkanal im 125 ccm Zylinder. Der Auspuff ist eine Variante der Sportanlagen der SS’en. Ähnlich wie die zeitgenössische 200 Rally präsentiert sie sich im schmucken Streifenlook.
Basierten bis jetzt alle Vespen auf mehr oder weniger der gleichen Rahmenform, so gibt es ab 1982 einen entscheidenden optischen Bruch. Mit der Vespa PK 50 präsentiert Piaggio eine neue Rahmenform. Analog zur Fortentwicklung der grossen Modelle zur PX wurden auch die kleinen Rahmen kantiger. Diese Vespa gibt es auch als PK 50 S, PK S Automatica mit Automatikgetriebe, später ab 1986 als PK 50 XL und PK 50 XLS, die hubraumstärkeren Modelle als PK 125, -S, Automatica und als PK 125 ETS, der Sportvariante der PK 125 (1984 – 1985). Dieses Modell, speziell der Motor wird heute gerne umfangreichen Tuningmaßnahmen unterworfen, da der Motorblock genügend Reserven bietet.
Das war eine kurze Typengeschichte der kleinen klassischen Baureihen der Piaggio Roller unter dem Markennamen Vespa vom Anfang bis 1990. Sicher habe ich noch die eine oder andere Vespa vergessen, zum Beispiel fällt mir noch die speziell für den deutschen Markt der 80er produzierte PK 80 ein. Wer es noch genauer wissen möchte, dem sei das Vespa-Archiv empfohlen, genauso wie die englischsprachige Scooterhelp.